Sagt uns nicht der gesunde Menschenverstand, .. dass dauerhafter Krieg schadet?

Ich finde jedenfalls: Dieser Art von 'Menschheitsentwicklung' sollte Einhalt geboten werden. Spiele, oder generell alles was in den Medien dargestellt wird, sind nur Symptome für den Zustand der Gesellschaft. Spiele zu verbieten ist lediglich eine bequeme Art sich nicht selbst zu ändern. Und es nimmt einem auch ein bisschen Verantwortung für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. So tragisch es ist, aber kamen nicht alle Amokläufer der le. Jahre früher in Kontakt mit Waffen als mit Spielen? Wir haben früher auch "Cowboy und Indianer" gespielt "Peng, Peng Du bist tot.", komplett mit dem Colt, der auch zu Carneval rausgeholt wurde. Aber in den meisten Familien war es das dann mit dem Schusswaffenbesitz.

Und ist es wohl heute noch. Aber nicht in den drei besagten Fällen. An neue Spiele kommen die weitaus meisten über Freunde und Bekannte oder sie suchen sich Spiele wo man mit oder gegen menschliche Gegner spielen kann. Das waren dann auch die ersten grösseren "sozialen Netzwerke", wie die Bezeichnung dafür schon sagt "Massive Multiplayer Online", lange vor Facebook, MySpace, StudiVZ und und und. Dieses Genre MMO(FPS) wird meist als erstes mit "Killer-Spielen" in Verbindung gebracht über einen der ersten prominenten Vertreter, Counter Strike. Genauso wie es online viel einfacher geworden ist Spielpartner zu finden, gibt das Internet als grosser Markt-Platz auch wesentlich mehr Raum für "Klatsch und Tratsch" und ein globales Forum um seine Meinung darzustellen. Beides gab es schon im alten Athen und Rom, Agora und Forum. Und damals gab es tatsächlich "Killer-Spiele", panem et circenses.

Die "neuen Teufel", Computer-Spiele mit Gewaltinhalt und Internet, sind in dem Sinn neuzeitliche Ausprägungen schon in der Antike üblicher gesellschaftlicher Aktivität, es sind nicht grundsätzlich die Auslöser für Gewalttaten sondern vor allem ein Abbild der Gesellschaft in der sie existieren. Trotzdem gibt es kein verbreitetes Computerspiel in dem Amok-Läufe dargestellt werden oder Terror-Anschläge geplant, weder als Vorbild für die Taten noch als Abbild. Es gibt im Ggs dazu Kriegs- und Agenten-Spiele, aber keiner der Amokläufer hat sich als "Soldat" gesehen, als "Agent" gegen das Böse, als unverwundbarer Superheld. Sie hatten Probleme in der Schule, kaum Freunde ausserhalb des Internet und über die Eltern Zugriff zu Waffen. Und haben gespielt weil sie sonst keine Abwechslung hatten. Und alle hatten Vorbilder in der Realität und es lief dann ähnlich ab wie damals in Littleton, besser bekannt unter dem Namen der Schule: Columbine High.

Nach den jüngeren Vorfällen in D gibt es noch mehr Anzeichen dafür dass es einen stärkeren Einfluss von realen Geschehnissen gibt als dass Computerspiele der bestimmende Auslöser für die Amokläufe waren. Bei der Häufung von Amokläufen in den le 10 Jahren sollte man auf der anderen Seite aber auch nicht gleich von einer Verrohung der Gesellschaft reden. Amokläufe gab es früher schon, damals wurde auch darüber berichtet, es gab Leserbriefe an die Zeitungen und es war Stadtgespräch, aber es gab noch kein übergreifende Diskussionsplattform über die sich jeder einbringen konnte, jederzeit und überall und mit Verfügbarkeit der Beiträge über den Druck der Zeitung hinaus. Vielleicht scheint es deshalb nur so als ob sich die Vorfälle gehäuft haben?

Das Internet bringt eine grössere Öffentlichkeit und damit eine grössere Verantwortung, und das für jeden Einzelnen bei allen was er online schreibt und tut. Die Entwicklung ging rasend schnell, vor 15 Jahren noch gehörte man mit seinem 14,4er Modem zu einer absoluten Minderheit und Mosaic stand bei der breiten Masse nicht für einen Browser sondern eine Kunsttechnik, heute denkt fast jeder bei Firefox nicht an den Roten Panda sondern gleich an den Browser. Ähnlich schnell ging die Entwicklung bei Computer-Spielen vorran, vor allem die Möglichkeit immer realistischer Grafiken darzustellen /was per se absehbar war). Wir sind als Gesellschaft immer noch dabei uns an diese Entwicklungen anzupassen, das zeigt sich vor allem daran dass diese neuen Medien und Technologien von den verschiedenen Generationen stark unterschiedlich beurteilt werden, wie es in der Geschichte immer wieder der Fall war.

Zensur oder Verbote zu fordern ist dann immer die erste Reaktion, aber meist ist das der falsche Weg und mehr als einmal führte das in der Folge zu totalitären Regimen. Nein, damit rechne ich jetzt nicht. Aber es muss einen Wechsel hin zu einem bewussteren, bedachteren Umgang mit dem Thema geben, eine gesellschaftliche Diskussion ohne Vorbehalte, auf beiden Seiten. Und die Ursachen für die Taten von Winnenden, Erfurt und Emsdetten sollten mehr in der realen Welt gesucht werden als zu glauben sie in der virtuellen schon erkannt zu haben, wer das tut schiesst zu kurz und fängt die Flagge mit Sicherheit nicht als Erster.

1 Kommentar:

  1. Killerspiele sind genau so überflüssig wie Schützenvereine, aber die Klientel der killerspielenden Kiddies ist ja kein Wählerpotenzial.

    By the way...sollten die Politiker mal im digitalen Zeitalter ankommen werden sie merken das die Kiddies sich ihre Games eh überall besorgen können; da helfen Verbote wenig.

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